25 Ausstellungen des Zentrums für Niederlande-Studien

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Viele Veranstaltungen haben im Laufe der Jahre bei uns im Haus stattgefunden: Buchpräsentationen, Vorträge, Tagungen, Podiumsdiskussionen, Konzerte und regelmäßig Ausstellungen. Das Jubiläum bietet die Gelegenheit beispielhaft auf 25 ganz unterschiedliche Ausstellungen zurückzublicken.

 

1. Die Welt der Anne Frank 1929 -1945, 4. – 26. Oktober 1996

1996Die Anne Frank-Ausstellung war ein internationales Projekt der Anne Frank-Stiftung, Am­sterdam, mit dem Ziel, ein detailliertes Bild der historischen Entwicklung des Faschismus und des Alltagslebens im nationalsozialistischen Deutsch­land und in den folgen­den Jahren zu skizzieren. Die Geschichte der Familie Frank ist der rote Faden: Sie steht stellvertretend für zahllose jüdische Schicksale dieser Zeit. Anhand bisher selten veröffent­lichter Fotos, Faksimiles aus Annes Tagebuch und eines Modells des Hinterhauses konnte man einen genauen Eindruck von den Zeit- und Lebensumständen gewinnen. Die Ausstellung beschäftigte sich mit den historischen Ereignissen der dreißiger und vierziger Jahre in Deutschland und den Niederlanden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Verhaltensweisen eines jeden Einzelnen historisches Geschehen beeinflussen. Die Aus­stellung forderte zur Auseinandersetzung mit damals wie heute aktuellen Fragen auf: Hätten wir die Gefahren des Faschismus rechtzeitig erkannt? Hätten wir den Mut gehabt, dagegen anzugehen? Was liegt Ausländerfeindlichkeit und Rassismus zugrunde? Wie können wir Neonazismus, Aus­länderfeindlichkeit und Rassismus begegnen?

2. Gegenwind – Zur Geschichte des Radfahrens, 1. – 30. Oktober 1997

1997Die umfangreiche Ausstellung illustrierte die ungewöhnliche Erfolgsge­schichte des Fahrrads. Sie spannte den zeitlichen Bogen vom frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart und lenkte den Blick auch auf die großen historischen Entwicklungslinien seit dem Aufbruch ins Industriezeitalter. Die Beschleunigung der Fortbewegung, das Wech­selverhältnis von Mensch und Maschine, die Erfindung und schrittweise erfolgende Weiter­entwicklung technischer Neuerungen, das neuartige Phänomen industriell gefertigter und mit Hilfe der Werbung verbreiteter Massenprodukte, all diese zukunftsweisenden Tenden­zen können am Beispiel des Fahrrads abgelesen werden. Das Fahrrad trug außerdem zur Emanzipation der Frauen und zum Aufstieg des Sports als Massenphänomen bei. Neue Aktualität gewann es durch die Umweltdiskussion und Fitnesswelle der letzten Jahre. Die Ausstellung zeigte alle wichtigen Räder der Fahrradentwicklung von der Draisine bis zum De­signerrad, außerdem zahlreiche Plakate und oft kurioses Zubehör rund ums Rad aus ver­schiedenen Privatsammlungen.

 

3. Ewiger Frieden – 1648, 14. Juli – 1. August 1998

1998Das gesellschaftliche, politische und kulturelle Leben in Münster stand 1998 im Zei­chen der Jubiläumsveranstaltungen zur 350-Jahr-Feier des Westfälischen Friedens und des Friedens von Münster. Letzterer ist für die Niederlande von besonderer Bedeu­tung, weil mit dem spanisch-niederländischen Teilfrieden ein 80-jähriger Krieg zu En­de ging und die völkerrechtliche Anerkennung der Republik der Niederlande erreicht wurde. Diesem Ereignis war eine Ausstellung gewidmet, die unter dem Titel: Ewiger Frieden – 1648 vom niederländischen nationalen Komitee Friede von Münster vor­bereitet und eingerichtet wurde. Sie enthielt Beiträge zum Aufstand und zum Ent­stehen der Republik, zum Hintergrund des 30-jährigen Krieges, zum Verlauf des 80-jäh­rigen Krieges, zu den Verhandlungen in Münster und den daraus resultierenden Frie­densschlüssen am 15. Mai und am 24. Oktober 1648 sowie den Folgen für die europäi­sche Neuordnung.

 

4. Erwin J. Löhr: Formen der Natur, 1. – 29. Juli 1999

1999Erwin J. Löhr (1934) besuchte 1952 die Werkkunstschule Münster, studierte bei Prof. Pieper und B. Bröker. Zahlreiche Ausstellungen im Ausland (z.B. in Frankreich, Polen, Lettland), in verschiedenen deutschen Museen – Ostwallmuseum Dortmund, Sauerlandmuseum Arns­berg – sowie auf der EXPONATA 86 und 91 zeugen von Löhrs Können und seiner bildneri­schen Gestaltungskraft.

Der Künstler und Schriftsteller Roland Altmann geht in seinem 1996 im Verlag der Humboldt-Gesellschaft Mann­heim erschienenen Buch “Sinndeutende Annäherungen” auf die Farbenwelt Erwin J. Löhrs ein: “Löhr malt Farben der Sonne, der Hoffnung, der Chan­ce aufs Überleben … Da sind sonnendurchwärmte Töne des Mittags … Da ist aber auch die Tagneige mit der schweren Skala, die bereits das Drängen der nahenden Nacht zu erkennen gibt … Man spürt die unverbrauchte Frische der Jugend, das Gold der Reife und die gewich­tige Schwere und Melancholie des Abschieds.” Dunkle Farbflächen, verhangene Partien stimmen endgültig nicht depressiv, da der Künstler es versteht, seine optimistische We­sens­haltung glaubwürdig in seinen Werken auszudrücken. Alles, was im Betrachter anklingen mag an Ängsten und Traurigkeit, wird in Farben und Formen aufgefangen.

5. Die leichte Kavallerie der niederländischen Literatur, 2. – 27. November 1999

1999Unter diesem Ehrentitel wurden vier Schriftsteller in einer großen Ausstellung, die das Ne­derlands Letterkundig Museum initiiert hat, zusammengebracht: Godfried Bomans, Simon Car­miggelt, Kees Stip ‑ bemerkenswerterweise alle im Jahre 1913 geboren ‑ und Kees van Koo­ten (1941). Jeder von ihnen hat auf seine Weise dafür gesorgt, dass auch in den Niederlan­den der Humor ernstgenommen werden kann, seien es nun die albernen Geschichten und Märchen von Bomans, die melancholische Atmosphäre von Carmiggelts Kronkels, die spit­zen Formulierungen Stips (alias Trijntje Fop) oder die Modermismen des Sprachvirtuosen van Kooten.

Theo Tienhoven, Dozent für Theaterausstattung und Bühnenbild an der Hogeschool voor de Kunsten, Amsterdam, hatte die Ausstellung gestaltet. Durch den ganzen Raum schlän­gelte sich ein Tisch ‑ von unten her beleuchtet, so dass er zu schweben schien ‑ auf dem die Ausstellungsstücke zu sehen und in den Vitrinen für Dokumente und Bücher ein­gearbeitet waren. Säulen auf dem Tisch ermöglichten es, Exponate erhöht zu platzieren. So zeichnete sich die kapriziös‑spielerische Skyline der Unterhaltungsliteratur ab.

 

 

 

6. Zehn Zeilen und ein Zauberschlag – Guido Gezelle (1830 – 1899), 3. – 31. Mai 2000

2000Der in Brügge geborene Priester und Dichter Guido Gezelle starb kurz vor dem Ende des 19. Jahrhunderts. Er war ein besonderes Sprachtalent, das die flämische Sprache des 19. Jahrhunderts zu einem Instrument außerordentlichen lyrischen Ausdrucks um­­ge­formt hat. Generationen von Dichtern nach ihm sind grundlegend durch seine klangvolle Poesie be­einflusst worden. Durch sein Interesse an der spezifischen Beschaffenheit des Sprachmateri­als war er darüber hinaus der erste modernistische Dichter in der niederländischen Literatur und ein Vorläufer der Symbolisten mit ihrem Motto „musique avant toute chose“. Gleich­zeitig sind in den Texten Gezelles jahrhunder­tealte Traditionen zu erkennen: Religiöse Ge­dichte, Naturpoesie, Gelegenheitsdichtung, virtuoses Sprachspiel – alles findet der Leser in seinem Werk wieder.

 

 

 

7. Antwerpen und die Plakatkunst im Interbellum, 4. – 31. Juli 2000

2000_2Das AMVC (Archief en Museum voor het Vlaamse Cultuurleven) verfügt über eine rund 30.000 Exemplare umfassende und noch stets wachsende Plakatsammlung, die zu Unrecht wenig bekannt ist. Das Auswahlkriterium für die Aufnahme in die Sammlung ist in erster Linie der dokumentarische oder informative Wert des Plakats für das weite Feld des flämischen Kulturlebens.

In der Ausstellung lag der Schwerpunkt auf der Zwischenkriegszeit, einer ikonographisch ausgesprochen interessanten, auf der Ebene der Antwerpener Plakatkunst weniger bekannten Periode. Die Plakate, bei denen es sich oft um einzigartige Exemplare handelt, beleuchten das Anekdotische bei Robert Hens, den Modernismus der Künstler Jozef Pee­ters und Ka­rel Maes, den Expressionismus eines Lode Seghers oder den barocken Realis­mus von Alfred Ost. Eine erneuernde Synthese findet sich bei Leo Marfurt, Alfons Mar­chant und ihren Epigonen. Die Ausstellung beleuchtete darüber hinaus die Evolution der Antwerpener Kunst­druckereien und bot zugleich auch in unterschiedlichsten Designrichtungen ein farbenrei­ches Bild des überschäumenden kulturellen und künstlerischen Lebens Antwerpens im Interbellum.

 

8. Fritz Behrendt: Eine Feder für die Freiheit, 5. Dezember 2000 – 6. Januar 2001

2000_3Fritz Behrendt, in Deutschland geboren und in den Niederlanden lebend, ist einer der be­deutendsten politischen Zeitungskarikaturisten der Welt. Jahrzehntelang prägten seine Zeichnungen die politische Meinungsbildung. In seinem Beruf geriet er viele Male mit Diktatoren, Regenten und Absolutisten jeglicher Couleur aneinander: Erich Ho­necker ließ ihn verhaften, General de Gaulle, Caudillo Franco und Franz-Josef Strauß prote­stierten gegen ‘beleidigende Karikaturen’. Andere Karikaturen führten zu diplomatischen Schritten aus Indonesien (Sukarno) und China. Eine Zeichnung des launi­schen Chruschtschows, der sich in 6 Bildern vom Kriegsteufel in einen Friedensengel und wieder zurück wandelte, empörte Königin Wilhelmina, die hierin eine Blasphemie erblickte, weil doch die seligen Seelen als Engel erscheinen, und die daraufhin ihr Abonnement des Algemeen Han­delsblad kündigte. Aber Königin Juliana ernannte Fritz Behrendt zum Ritter des Ordens von Oranien-Nassau, Prinz Claus eröffnete mit ihm eine Ausstellung mit Zeichnungen für eine bessere Umwelt und Königin Beatrix hängte sich eines von Behrendts poli­tischen Bildern in ihr Arbeitszimmer.

9. Zwei Jahrhunderte Architektur in den Niederlanden, 28. März – 28. April 2001

2001Die Geschichte der Architektur in den Niederlanden lässt sich auf vielerlei Weise beschrei­ben, etwa anhand der Entwicklung der Wohnformen (von der Plaggenhütte bis zum Apart­ment) oder der Bautechnik (vom Holzhaus bis zum Glaspalast). Eine der gebräuchlichsten Methoden, die Architekturgeschichte zusammenzufassen, ist die Gliederung nach Baustilen. Überdies ist eine solche Gliederung für jeden, der sich zum ersten Mal mit der Architektur­geschichte befasst, eine nahezu unentbehrliche Orientierungshilfe. Später treten die stili­stischen Aspekte dann immer mehr in den Hin­tergrund. Gerade mit Blick auf jene, die eben (noch) keine Architekturexperten sind, wurden in der Ausstellung Beispiele für fünfzehn Stilrichtungen des 19. und 20. Jahrhunderts vorgestellt. Das Material dafür stammte größ­tenteils aus der Sammlung des niederländischen Architekturinstituts, Rotterdam.

 

 

10. “Siehst Du, hier steht es, es ist ein Buch!!” Stefan Verwey und seine Zeichnungen, 4. Januar – 2. Februar 2002

2002Der 1946 in Nimwegen geborene Cartoonist gehört zweifellos zu den Bedeutendsten seiner Zunft. Seit vielen Jahren erscheinen seine Zeichnungen in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften wie de Volkskrant, De Gelderlander und De Standaard. Seine tagespolitischen und gesellschaftskritischen Cartoons zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Kombination von durchaus ernstem Inhalt und spottendem, relativierendem Humor aus.
Die Ausstellung zeigte einen Querschnitt seines gesamten Œuvres. Zu sehen waren Zeichnungen zu den Themen Krankheit, Alter und Politik und zum Thema Mensch und Buch. Ferner wurde eine Übersicht gegeben über die Bücher, die von und über Stefan Verwey erschienen sind.

 

 

 

11. Politiek in Prent 2002: Ein dramatisches Jahr in politischen Zeichnungen, 6. Mai – 21. Juni 2003

2003Seit 1992 organisiert die Stichting Pers & Prent die Ausstellung Politiek in Prent. Es handelt sich hierbei um eine jährliche Übersicht über die besten politischen Zeichnungen aus der niederländischen Presse. Die Ausstellung war bis Ende 2002 immer in der Zweiten Kammer in Den Haag gezeigt worden, einem einzigartigen Ort, denn nie zuvor sind irgendwo auf der Welt politische Zeichnungen im Zentrum der politischen Macht ausgestellt worden. Im Jahr 2003 wurde die Ausstellung im internat. Pressezentrum Nieuwspoort in Den Haag eröffnet, womit die Verbindung der Zeichner zur Presse noch einmal unterstrichen wurde. Wie zuvor präsentierte auch Politiek in Prent 2002 wieder ein abwechslungsreiches Bild der niederländischen politischen Zeichenkunst. Fünfundzwanzig Zeichner – jeder mit einem eigenen Stil und einer eigenen Auffassung von Humor – zeigten ein unterschiedliches Bild der Innen- und Außenpolitik. Die Ausstellung war nicht nur ein politisches Abbild der Zeit, sondern auch die Präsentation eines wichtigen Bestandteils der niederländischen Presse – jede Zeitung, die auf sich hält, beschäftigt einen Zeichner – und zeigt damit, was in den niederländischen Medien möglich & erlaubt ist.

12. Hans Calmeyer und die Judenrettung in den Niederlanden, 22. Oktober 15. November 2003

2003_2Anlässlich des 100. Geburtstages von Hans Calmeyer hat das Erich Maria Remarque-Friedenszetrum in Kooperation mit der Hans Calmeyer-Initiative eine Ausstellung Hans Calmeyer und die Judenrettung in den Niederlanden eingerichtet. Die Ausstellung thematisierte das Leben und Werk des Osnabrücker Rechtsanwalts Hans Calmeyer (1903 – 1972), der während der deutschen Besatzung der Niederlande Tausende von Juden vor der Deportation und damit vor der Ermordung in den NS-Vernichtungslagern bewahrte. Schwerpunkt der Ausstellung war Calmeyers Zeit in den Niederlanden. Beschrieben wurde, wie die ‘Dienststelle Calmeyer’” in die deutsche Besatzungsverwaltung eingebettet war und wie es gelang, bürokratische Freiräume für die Rettung von Juden zu schaffen. Aus den Quellen ging dabei hervor, dass Calmeyer zwar im Verbund mit Mitarbeitern seiner Dienststelle und vertrauten Niederländern zusammenarbeitete der Motor und das Zentrum der Rettungsaktion war er indes selbst. Dargelegt wurde, wie Calmeyer zu einem Menschen wurde, der sich innerhalb des NS-Systems gegen die Barbarei des Holocausts stellte.

13. Didier Van De Steene: Grau, Grün, Blau, 22. Juni – 31. Juli 2004

2004Didier Van De Steene, 1956 in Gent geboren, ist ein belgischer Grafiker, der in Zwalm (Ostflandern) lebt und arbeitet. Er hatte erstmals seine Zeichnungen zum Text Grau, Grün und Blau im Haus der Niederlande zu Münster ausgestellt. Grau, Grün und Blau sind die Namen der drei Dienstmädchen auf dem Schloss einer Eiskönigin irgendwo in Flandern. Van De Steene zeichnet mit Holzkohle, Pastellkreide, Tusche, Blei und Ölkreide ein unheimliches Universum. Van De Steene: “Wenn ich schreibe, zeichne ich nicht Figuren, sondern oft “Dinge”, archetypische “Häuser” und vollständige “Landschaften”, um die Figuren zum Leben zu erwecken. Ich weiß es: ein “Ding”, ein “Haus”, eine “Landschaft” oder gegebenenfalls eine “Figur” hat viele Facetten, Zimmer oder Formen und gibt die eigenen Geheimnisse nicht einfach preis. Es ist und bleibt eine Heidenarbeit!”

 

 

14. Ruud Antonius – Surrealist, 16. November  31. Dezember 2004

2004_2Ruud Antonius` Surrealismus hat sich von früheren Vorbildern innerhalb dieser Kunstströmung gelöst. Seine Ideen entwickeln sich aus Träumen, Weltereignissen, Zufall, Urwut oder assoziativen Gedanken. Diese ursprüngliche Inspiration wird nicht einfach als Bild grundlos akzeptiert. Die Idee wird, im Gegensatz zu früheren Surrealisten, bewusst exploriert und kann letztendlich in der Verwerfung der Grundgedanken resultieren. Seine Arbeitsweise ist damit eine Suche nach Antworten auf eigene Fragen, die er als wertvoll erachtet. In diesem analytischen Vorgang sucht Ruud Antonius Symbole, die innerhalb der Komposition seiner Bilder seine Wahrheit und Meinung ausdrücken. Antonius` Lösungen führen zu Theorien. Er ist fest überzeugt von seinen Theorien, obwohl es andere gibt, die sein Blickfeld erweitern. Das Risiko, dass seine Theorien für uns wertlos sind, nimmt er gelassen hin. Näher kann man sich selbst nicht kommen. Wir müssen nun die Frage stellen: Ist Ruud Antonius Surrealist? Ja! Ruud Antonius hat die kaptivierende Verfremdung des Surrealismus benutzt und mit seiner Phantasie Bilder geschaffen, die unsere moderne Gesellschaft widerspiegeln. Surrealismus hat sich weiterentwickelt.

15. Deutschland im Spiegel der niederländischen politischen Karikatur 1871-2005, 10. Mai  25. Juni 2005

2005Nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen in der niederländischen Presse eine Reihe antideutscher politischer Zeichnungen – kein Wunder, nach fünf Jahren deutscher Besatzung. Wie aber wurde Deutschland nach der von Bismarck 1871 geschaffenen Einheit gesehen? In den Jahren 1914-1918, den Jahren des „großen Krieges“, gehörten die Niederlande offiziell zu den neutralen Mächten. Hielten sich die Zeichner daran? Wie wurde die Zeit zwischen den Kriegen dargestellt, und wie wurde der Aufstieg von Hitlers nationalsozialistischer Bewegung beurteilt? Wurde Deutschland als aggressiver Staat gezeichnet? In den Jahren 1940-1945 wurde die niederländische Presse gleichgeschaltet und mundtot gemacht, aber in illegalen Zeitungen und Pamphleten erschienen weiterhin unabhängige politische Zeichnungen. Die von Koos van Weringh zusammengestellte Ausstellung Deutschland im Spiegel der niederländischen politischen Karikatur, 1871-2005, bot einen spannenden Überblick über niederländische Deutschlandbilder seit der Gründung des Kaiserreiches.

 

16. Licht in meinen Ohren – Die Kunst des Hörens, 28. Juni – 29. Juli 2006

2006Der Titel, den Mirjam Janse für ihr Kunstprojekt gewählt hat, erscheint nicht ungewöhnlich, bis es einem bewusst wird, dass dort Ohren steht, wo man Augen erwartet hätte. Für die Künstlerin ist der Moment der Stille, in dem über die Sinnesorgane die Überführung unserer mentalen Fähigkeit zum Gefühl zustande kommt, ein Augenblick, in dem man bei dieser Wahrnehmung inne hält und horcht, was diese einem über einen selbst zu sagen hat. Die Installation besteht aus dem Berg der inneren Ruhe und sechs Figuren, die jede einen Aspekt des Hörens verkörpern. Der Berg verdankt seinen Namen einem hohen zeltförmigen Berg aus Zweigen und Stoff. In dem Berg ist die Skulptur einer sitzenden Frau zu sehen. Rund um den Berg sind sechs Figuren aufgestellt, die zusammen die Serie Zweites Gesicht bilden. Ihre Eigenschaft des zweiten Gesichts wird durch ihre Form deutlich: Jede von ihnen hat die Form eines Kopfschmucks. Dies ist ein Hinweis auf die Kultur der Schamanen. Mirjam Janses Projekt Licht in meinen Ohren ist der Versuch, im Erlauschen der eigenen Empfindung über eine rationale Interpretation dieser Emotion die Überbrückung zwischen der ersten Emotion und dem Gefühl zu schaffen.

17. Sprengstoff aus Holland – Politische Zeichnungen und Animationen von Joep Bertrams, 16. November – 31. Dezember 2006

2006_2Der 1946 in Roermond geborene und heute in Amsterdam lebende Joep Bertrams ist erst seit 1989 als politischer Zeichner für die Amsterdamer Tageszeitung Het Parool tätig, zuvor illustrierte er u.a. Kinderbücher. Bertrams’ Illustrationen verraten, dass er das Vorstellungsvermögen von Kindern nicht unterschätzen, sondern herausfordern will, ein Kennzeichen, das auch für die Betrachter seiner politischen Zeichnungen heute gilt. Seine phantasievollen, zuweilen surrealistischen Illustrationen zu Gedichten von Wiel Kusters erschienen auch in Deutschland. Mehr und mehr richtete er aber seine Aufmerksamkeit auf politische Inhalte und verstand es, neben der klassischen täglichen politischen Zeichnung die Idee der politischen Animationsfilme (für das Fernsehmagazin Nova) weiterzuentwickeln. In den Niederlanden erfuhren seine Arbeiten immer mehr Beachtung und Auszeichnungen. Den Ton Smits-Penning erhielt er 2001, in diesem Jahr dann den Inktspot-Preis für die beste politische Zeichnung des Jahres 2005. In Deutschland waren seine Zeichnungen einige Jahre in der Zeit, heute sind sie bisweilen in der Süddeutschen Zeitung zu sehen.

18. Kunst – Naober – Shop: Deutsche und niederländische Kunststudenten in der Euregio, 5. Juni – 7. Juli 2007

2007Der grenzüberschreitende Wettbewerb „Kunst-Naober-Shop“ hat Kunststudierende der Hochschulen und Fachhochschulen im EUREGIO-Gebiet dazu eingeladen, sich mit der deutsch-niederländischen Nachbarschaft auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt stehen dabei Produkte, die für Niederländer „typisch deutsch“ beziehungsweise für Deutsche „typisch niederländisch“ sind. Jeder Teilnehmer bekam 100 Euro, um im jeweiligen Nachbarland einen Gegenstand zu kaufen, den er so aus dem eigenen Land nicht kennt. Die Studierenden erhielten den Auftrag, diese Gegenstände künstlerisch zu verfremden, weiterzuentwickeln oder ganz neu zu interpretieren. Kunst dient so als Medium nachbarschaftlicher Auseinandersetzung, Kommunikation und Annäherung. Die entstandenen Arbeiten sind in einem gelungenen Katalog dokumentiert.

 

 

19. Transit Amsterdam  – Deutsche Künstler im Exil 1933 bis 1945, 8. November – 13. Januar 2008

2007_2Mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten im Januar 1933 beginnt die größte Flucht von Künstlern und Literaten, die Deutschland und Europa bis dahin erlebt haben. Die Niederlande sind eine bedeutsame Station bei diesem Exodus. Vor allem Amsterdam gewährte vielen deutschen Schriftstellern, Musikern, Schauspielern, Malern und Photographen Zuflucht.
Die Ausstellung gab einen sehr persönlichen Einblick in unterschiedliche Situationen des Exils und erlaubte Rückschlüsse auf heutige Transit-Erfahrungen der Flucht und Migration. Flucht, Gastspiel, Sommerfrische – Integration, Assimilation, Parallelleben – Abreise, Untergrund, Deportation: Ausgehend von den literarischen Nachlässen von Grete Weil, Hermann Kesten und Klaus und Erika Mann, die im Literaturarchiv der Monacensia betreut werden, zeichnete die Ausstellung anhand einer Fülle von bisher unveröffentlichten Briefen, Tagebüchern und Photos die Lebensbedingungen und Lebensläufe der nach Amsterdam emigrierten Künstler und Literaten nach.

 

20. Licht in der Finsternis – Das Philips-Kommando im Konzentrationslager Vught, 7. Mai – 28. Juni 2009

2009In dieser Ausstellung wurde die wundersame Geschichte des sogenannten Philips-Kommandos skizziert, eine einmalige Form der industriellen Beschäftigung von Gefangenen des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Vught. Einmalig, da in keinem anderen Lager ein privates Unternehmen während des Krieges die Gelegenheit erhielt, Produktionsaktivitäten in diesem Ausmaß hinter dem Stacheldraht eines Lagers auszuführen. Mittels Text- und Bildtafeln, Vitrinen, Audio- und Videostationen und anhand von originalen Objekten von ehemaligen Gefangenen und Hinterbliebenen, die speziell für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt wurden, zeigt die Ausstellung ein ergreifendes Bild, wie der Großteil der 3.100 Gefangenen – darunter auch 600 jüdische – mittels dieser Arbeitsmöglichkeit bei Philips in einer relativ sicheren Umgebung den Krieg überlebten.

 

 

21. „Und dann bricht wieder der Kampf aus“ – Niederländische Wahlplakate von 1918 bis 2010, 12. Mai – 13. Juni 2011

2010Am 9. Juni 2010 fanden in den Niederlanden vorgezogene Parlamentswahlen statt. In Zusammenarbeit mit dem Documentatiecentrum Nederlandse Politieke Partijen (DNPP) der Rijksuniversiteit Groningen organisierte das Zentrum für Niederlande-Studien eine Ausstellung mit ca. 80 Wahlplakaten aus Kampagnen zur Parlamentswahl seit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts im Jahr 1918. Die Ausstellung bot damit nicht nur eine Übersicht über die historische Entwicklung der grafischen Gestaltung von Wahlplakaten, sondern auch eine Darstellung der Pluriformität hinsichtlich der politischen Zusammensetzung des niederländischen Parlaments seit 1918. Die Plakate stammten aus der Sammlung des DNPP, die derzeit etwa 2.500 Exponate umfasst. Sie besteht aus Postern, die in irgendeiner Weise mit Politik zu tun haben: Entweder stammen sie von einer politischen Partei (oder einer ihr verbundenen Einrichtung), oder sie beinhalten ein politisches Thema.

 

22. Mach deine Taschen leer! Was Niederländer im Alltag mit sich tragen, 15. Mai – 17. Juni 2012

2012Wie die Kleidung, die er trägt und das Auto, das er fährt, kann auch der Inhalt der Hosentaschen eines Mannes etwas darüber verraten, was er tut, was sein Status ist und welche Identität er hat. Der niederländische Fotograf George Maas fragte aufs Geratewohl bekannte und unbekannte Männer, ob sie für ihn ihre Taschen leeren wollten – spontan und oftmals einfach auf der Straße. Den Fotosessions ging nie eine Verabredung voraus. Das Resultat ist eine Porträtserie, die zeigt, was Männer zum Beginn 21. Jahrhunderts zu benötigen glauben, um im täglichen Leben zu funktionieren – zuweilen mit enthüllenden („das sind XTC-Pillen“) und überraschenden Geschichten über das, was sie bei sich tragen. Entstanden ist ein Kaleidoskop niederländischer Persönlichkeiten und ihrer „leibhaftigen“ Habseligkeiten. Zu sehen waren u.a.: Ahmed Aboutaleb, Job Cohen, Robbert Dijkgraaf, Maurice de Hond, Arthur Japin, Siem de Jong, Freek de Jonge, Martijn Krabbé, Frans Molenaar, Matthijs van Nieuwkerk, Rob, Ronald Plasterk, Humberto Tan, Thijs van der Vlies, Peter R. de Vries, Nout Welink und Bernhard van Oranje.

 

23. Augen des Krieges, 5.  10. Juni 2013

2013_2Die Ausstellung Augen des Krieges ist eine Ehrerweisung des Nationaal Monument Kamp Vught gegenüber den ehemaligen Gefangenen des Lagers. Achtundzwanzig vergrößerte Porträts des Fotografen Rogier Fokke sind hier mit materiellen und abstrakten Erinnerungen an das Lager Vught kombiniert worden. Die Älteste unter den Porträtierten ist die 1914 geborene Hebe Kohlbrugge, der jüngste ist Robert Engelander, geboren 1941.
Der Fotograf Rogier Fokke besuchte die ehemaligen Gefangenen mit einem mobilen Fotostudio zu Hause – von Joke Folmer auf Schiermonnikoog bis Eugène Jacoby in den Ardennen (Belgien). Auch die Interviewerin Tanny van de Ven besuchte fast alle Porträtierten zu Hause.
Das Erinnerungszentrum betrachtet die Ausstellung als eine Hommage an die ehemaligen Gefangenen, die aus unterschiedlichen Gründen seit 1943 im Lager Vught gefangen gehalten wurden: als Angehörige des Widerstands, als Juden, als Geiseln oder als Kind von Geiseln.

 

24. Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte, November 2013  März 2014

2013Die Ausstellung Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte, eingerichtet vom Anne Frank Zentrum in Berlin, erzählt vom Mädchen Anne Frank, von seinem Leben und seiner Zeit. Sie beleuchtet die verschiedenen Perspektiven von Helfenden, Täterinnen und Tätern, Zuschauenden und Opfern und ermutigt zum Handeln und zu Zivilcourage. Anne Franks Botschaft ist auch in unserer Zeit des wachsenden Antisemitismus und der immer wieder auftretenden Fremdenfeindlichkeit hoch aktuell. Die Ausstellung Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte war vom 3. Dezember 2013 bis zum 5. Januar 2014 auf Initiative des Zentrums für Niederlande-Studien der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Haus der Niederlande im Krameramtshaus zu Münster zu sehen. Die Ausstellung war eingebettet in eine gleichnamige Veranstaltungsreihe, die das Zentrum für Niederlande-Studien in Zu sammenarbeit mit dem Anne Frank Zentrum, Berlin, der Landeszentrale für politische Bildung NRW, der Bezirksregierung Münster, der Stadt Münster, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V. sowie dem Geschichtsort Villa ten Hompel vom 13. November 2013 bis zum 14. März 2014 organisierte.

25. Einmal Niederlande und zurück. Deutsche Gebiete unter niederländischer Auftragsverwaltung 1949 – 1963, 8. Januar 9. Februar 2014

2014Das Grenzgebiet zwischen Deutschland und den Niederlanden besitzt eine spannende und wechselvolle Geschichte. Grenz- und Gebietsverschiebungen mit einschneidenden Folgen für die dort ansässige Bevölkerung sind Teil dieser Vergangenheit. Noch keine 70 Jahre sind vergangen, dass die niederländische Regierung deutsche Gebietsstreifen als Wiedergutmachung für die unter deutscher Besatzung erlittenen Kriegsschäden einforderte. Von den im Jahre 1946 zunächst geltend gemachten Ansprüchen, die auf die Annexion von insgesamt 1.750 km² Land im Westen des zugrunde gegangenen Deutschen Reiches hinausliefen, wurden 1949 ca. 70 km² vorläufig unter niederländischer Verwaltung gebracht. 10.000 Deutsche, unter anderem in Elten und in der Selfkant, lebten bis 1963, als die Gebiete zurückgegeben wurden, unter niederländischer Hoheit. Wie kam es zu diesen Grenzkorrekturen? Wie lebten die Deutschen unter niederländischer Verwaltung? Und was ist von diesen niederländischen Jahren heute noch sichtbar geblieben.