Hochschulkonferenz „Zusammenarbeit in der Lehre“

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Um die Zusammenarbeit zwischen deutschen und niederländischen Universitäten und Hochschulen zu stärken, ist mehr Austausch von Informationen und mehr Flexibilität notwendig. Zu diesem Ergebnis kamen am 15. September die Teilnehmer der Konferenz „Gemeinsame Studiengänge und andere Formen der Zusammenarbeit in der Lehre zwischen nordrhein-westfälischen und niederländischen Hochschulen“ im Zentrum für Niederlande-Studien in Münster. In Anwesenheit der niederländischen Ministerin für Bildung, Kultur und Wissenschaft, Dr. Jet Bussemaker, sowie der nordrhein-westfälischen Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung, Svenja Schulze, tauschten sich die rund 135 Teilnehmer und Vertreter verschiedener Hochschulen und Universitäten aus den Niederlanden und Deutschland über die Chancen und Schwierigkeiten der grenzüberschreitenden Hochschulzusammenarbeit aus.

Es sei wichtig, voneinander zu lernen, so Ministerin Bussemaker. Viele Regelungen seien unterschiedlich und würden so grenzüberschreitende Kooperationen erschweren. Ebenso wichtig sei allerdings eine gewisse Flexibilität und Regelungsfreiheit, waren sich die Konferenzteilnehmer einig. Prof. Dr. Ursula Nelles, Rektorin der Westfälische Wilhelms-Universität Münster, verwies auch darauf, dass Bologna nicht gleich Bologna sei: „Die Umsetzung ist in jedem Land anders. Das führt dazu, dass in den Niederlanden ein Masterstudiengang nicht länger als ein Jahr sein darf. In Deutschland dagegen darf er nicht kürzer als zwei Jahre sein.“ Als Problem wurde auch betrachtet, dass in der Welt der Hochschulen die Forschungsarbeit noch immer mehr Anerkennung bekomme, als die Lehre. Auch Ministerin Bussemaker vertrat die Ansicht, dass die Lehre mehr wertgeschätzt werden müsse. Internationale Kooperationen könnten vor allem auch die Lehre interessanter machen.

Darüber hinaus bestehe derzeit ein großes Ungleichgewicht bei den Studierendenzahlen, waren sich die Ministerinnen Schulze und Bussemaker einig. Rund 25.000 deutschen Studierenden in den Niederlanden stehen 1.900 Niederländer gegenüber, die an deutschen Universitäten und Hochschulen eingeschrieben sind. „Da ist noch Luft nach oben“, so Ministerin Schulze. Was gemeinsame Studienangebote betrifft, ist die Zahl in den letzten Jahren gestiegen. Momentan gibt es rund 30 gemeinsame Studienangebote von Hochschulen und Universitäten in Deutschland und den Niederlanden, von Sommerangeboten bis hin zu ganzen Studiengängen. Von solchen Angeboten würden alle Seiten profitieren, doch der Weg dorthin sei oft steinig. Zu diesem Ergebnis kam auch die Studie, die das Zentrum für Niederlande-Studien im Auftrag des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung im Vorfeld durchgeführt hatte. Stolpersteine seien vor allem administrative Vorgaben, die Akkreditierung der jeweiligen Studiengänge, die in beiden Ländern unterschiedliche Regelstudienzeit für Bachelor bzw. Master, aber auch die unterschiedliche Gliederung des Studienjahres, die Bewertung von Studienleistungen sowie sprachliche Voraussetzungen, so der Direktor des Zentrums für Niederlande-Studien, Prof. Dr. Friso Wielenga.

Ergänzend hat auch das Duitsland Instituut Amsterdam (DIA) im Auftrag des niederländischen Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft die Probleme und Lösungsansätze grenzüberschreitender Kooperationen untersucht, die an niederländischen Universitäten und Hochschulen gesehen werden. Die genannten Hindernisse sind ähnlich, wobei sich ihre Auswirkungen in der Praxis allerdings unterschiedlich darstellen. Einige Hindernisse können in der Praxis pragmatisch geregelt werden, ein häufig genanntes Problem bleibe allerdings beispielsweise das Erstellen der Abschlussurkunden bei Joint Degrees, so Dr. Jennifer Steetskamp vom DIA. Die Diplome müssen den Anforderungen beider Seiten entsprechen, die sich zum Teil nicht vereinen lassen. Beispielsweise stehe auf deutschen Abschlusszeugnissen das Datum der Abgabe der entsprechenden Arbeit, auf niederländischen dagegen das Datum der Korrektur. Wichtig beim Aufbau von Kooperationen sei es daher, Probleme und Unterschiede zu inventarisieren und Kreativität und Flexibilität bei der Lösung von Problemen zu zeigen, so Steetskamp.

Die gestrige Konferenz nutzten alle Beteiligten, um zu schauen, wo die Probleme liegen und was die Politik tun kann, um die Potenziale der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit besser zu nutzen. In Arbeitsgruppen wurde über die Hürden der Akkreditierung, Formen der Zusammenarbeit sowie zum Themenbereich Hindernisse, Pragmatismus und Flexibilität beraten. Fazit der Workshops war, dass in allen Bereichen mehr Austausch von Informationen stattfinden müsse. In diesem Zusammenhang wurde über eine gemeinsame Internetplattform nachgedacht, auf der Informationen bereitgestellt und ausgetauscht werden könnten. Auch sei in vielen Bereichen mehr Flexibilität erforderlich. Die Konferenzteilnehmer riefen daher die Ministerinnen auf, Regelungen zu schaffen, in deren Rahmen die Universitäten flexibel reagieren können.

Die Konferenz setzte den Dialog über die Zusammenarbeit der Hochschulen weiter fort, der 2013 mit der Tagung Kansen verzilveren in Nimwegen begonnen wurde. Damals stand das Thema der Förderung der Studentenmobilität im Vordergrund. Eine weitere Konferenz ist im nächsten Frühjahr geplant. Dabei soll ein Link zum grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt gelegt werden. Denn wie Dr. Karl Dittrich, Vorsitzender des VSNU (Verband der niederländischen Universitäten) erklärte, sei die Situation für Hochschulabsolventen vergleichsweise gut. Für Jugendliche, die eine Berufsausbildung abgeschlossen haben, hätten wir allerdings die Pflicht, die Grenzen zu öffnen und den Arbeitsmarkt zugänglich zu machen.

Die Hochschulkonferenz, die im Rahmen der Jubiläumsaktivitäten des Zentrums für Niederlande-Studien stattfand, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert, diente auch dazu, vor Ort einen weiteren Schritt Richtung engerer grenzüberschreitender Hochschulzusammenarbeit zu ermöglichen. Am Rande der Konferenz unterzeichneten WWU-Rektorin Ursula Nelles sowie der Präsident der Universität Twente, Mr. Victor van der Chijs, im Beisein der Ministerinnen eine Kooperationsvereinbarung des neuen Joint- Degree Bachelor „Public Governance across Borders“ (Studienstart Wintersemester 2013/14) sowie des umbenannten Masterprogramms „Comparative Public Governance“ (Studienstart Wintersemester 2015/16).