Podiumsdiskussion „Krankenhauskommunikation – vom Nachbarn lernen“

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Was können deutsche und niederländische Krankenhäuser in puncto Kommunikation voneinander lernen? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion zwischen hochrangigen Vertretern aus Politik und Praxis. Zahlreiche Zuhörer waren am vergangenen Donnerstag der Einladung des Zentrums für Niederlande-Studien (ZNS) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der Agentur lege artis gefolgt. Die Veranstaltung war Teil der diesjährigen Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum des ZNS und zugleich öffentlicher Auftakt für das zurzeit laufende Forschungsprojekt zum Vergleich der Organisationskommunikation im Krankenhaus.

Im Namen der Stadt Münster begrüßte Bürgermeisterin Vilhjalmsson die Gäste im historischen Zunftsaal des Hauses der Niederlande. Prof. Dr. Friso Wielenga, Direktor des ZNS, betonte in seinem Grußwort vor allem die besondere historische Bedeutung des Veranstaltungsortes für die deutsch-niederländischen Beziehungen und Fragen grenzüberschreitender Zusammenarbeit.
„Der Blick auf das Andere öffnet immer auch die Augen für das Eigene“, eröffneten anschließend die beiden Moderatoren des Abends, Dr. Lisa Terfrüchte vom Zentrum für Niederlande-Studien und Prof. Dr. Achim Baum, Senior-Partner der Agentur lege artis, die Diskussion. Krankenhäuser stünden trotz unterschiedlicher Strukturen in beiden Ländern vor ähnlichen Herausforderungen. Nicht zuletzt aus kulturellen Gründen begegneten sie diesen aber jeweils unterschiedlich.

„Die Patienten wollen heute immer mehr wissen“, betonte Prof. Dr. Jan Herre Kingma, ehemaliger Leiter des Medizinischen Zentrums Twente und vormals Generalinspekteur der öffentlichen Gesundheit im niederländischen Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport und einer der Gäste des Podiums. Dem gerecht zu werden sei eine Aufgabe für Krankenhäuser in beiden Ländern. Und eine Tatsache, die natürlich Auswirkungen auf die Kommunikation habe, darin war sich das Podium einig.

Die Professionalität der Krankenhauskommunikation ist immer eng mit der finanziellen Situation einer Klinik verknüpft: „Kleinere Häuser haben vielfach schlicht nicht das Geld für eine eigene Kommunikationsabteilung“, so Lothar Kratz, Referatsleiter des Bereichs Politik/Presse und Pressesprecher der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen e. V. (KGNW), über die Situation in Deutschland. Zudem mangele es häufig an entsprechend geschultem Personal. Otto Fricke, Partner bei der CNC – Communications & Network Consulting AG und Mitglied im deutschen Lenkungsausschuss des deutsch-niederländischen Forums, strich heraus, dass Kommunikation im Krankenhaus vor allem durch eine disziplinäre und eine interdisziplinäre Sprache geprägt sei.

Von Unterschieden in der Betriebskultur konnte Dr. Mathias Brandstädter, Pressesprecher und Leiter Unternehmenskommunikation der Universitätsklinik Aachen, berichten. Denn einige der Lehrstühle an der Universitätsklinik seien doppelt besetzt mit Professoren, die zugleich in Maastricht und Aachen lehrten. Brandstädter schränkte aber ein, dass mit dem Generationenwechsel in deutschen Kliniken das im Ländervergleich ausgeprägte Hierarchiedenken langsam zurückginge.

Fest stand: Ein Blick auf das jeweilige Nachbarland lohnt sich. Das zeigte auch die rege Diskussion mit den Zuhörern. Das Forschungsprojekt, das das Zentrum für Niederlande-Studien der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und die Agentur lege artis seit Januar 2014 zur Organisations­kommunikation von Krankenhäusern in Deutschland und den Niederlanden durchführen, beschäftigt sich deshalb noch bis März 2015 mit den Fragen nach Ähnlichkeiten und Unterschieden in der internen und externen Kommunikation im Krankenhaus. Während einer Fachtagung – in Kooperation mit dem 8. Kliniksprechertag – werden dann am 06. März 2015 Forschungsergebnisse präsentiert und mit Vertretern aus Krankenhäusern beider Länder diskutiert. Die Tagung steht ebenfalls unter dem Motto „van de buren leren“, vom Nachbarn lernen.